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Interview mit der SELFHTML actuel-Redaktion

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Das Interview fand im September 2001, unmittelbar vor dem Start von SELFHTML actuel, dem französischsprachigen Pendant zu SELFHTML aktuell, in einem Internet-Café auf den Champs-Elysées statt. In der Gegenwart von SELFHTML actuel-Redaktionsmtiglied Patrick Andrieu nahmen Serge François, der Übersetzer von SELFHTML, und Stefan Münz, der Autor des Werks, zu verschiedenen Fragen Stellung.

vers le bas Interview mit der SELFHTML actuel-Redaktion

vers le bas

Interview mit der SELFHTML actuel-Redaktion


 

 

Stefan Münz, Autor von SELFHTML
Stefan Münz

Die Energie des Verstehens
SELFHTML
Motto und "Markenzeichen" von SELFHTML

Patrick:

Stefan, was war Deine Reaktion, als Du vor etwa einem Jahr eine E-Mail aus Frankreich bekamst, in welcher ein gewisser Serge François Dir mitteilte, dass er bereits 500 Seiten Deines im deutschen Sprachraum schon lange bekannten Werks SELFHTML übersetzt hatte?

Stefan:

Unglauben. Es hatte schon viele Übersetzungsversuche gegeben, für Italienisch, Serbokroatisch, Russisch ... aber nichts davon ist jemals über die ersten paar Seiten hinausgekommen. Nur die Seite in spanischer Sprache spanische Version ist zu ca. einem Drittel fertig, doch da stockt es nun auch seit Monaten.

Die meisten Übersetzer hatten einfach den Umfang unterschätzt. Mit so einer Übersetzung ist man über viele Monate intensiv beschäftigt. Die wenigsten Menschen haben die Zeit und die nötige Ausdauer dazu. Deshalb war ich erst mal ungläubig - wieso sollte dieser Mensch, der sich zuvor noch nie bei mir gemeldet hatte, einfach so eine Arbeit von mehreren Monaten vorgelegt haben?

Aber Serge hatte tatsächlich so viel gearbeitet. Es war ein merkwürdiges Gefühl, als ich die vielen Seiten zum ersten mal in Französisch sah. Ich konnte aufgrund meiner fehlenden französischen Sprachkenntnisse nicht beurteilen, ob die Übersetzung gut war. Aber es war klar, dass da jemand wirklich intensiv gearbeitet hatte, und davon war ich ziemlich beeindruckt.

Patrick:

Serge, was hat Dich dazu veranlasst, ein so umfangreiches Werk (insgesamt sind es fast 1000 Buchseiten: 760 Textdateien, also HTML-, JavaScript- und CSS-Dateien... und auch viele Grafiken mussten angepasst werden) ins Französische zu übersetzen?

Serge:

Arbeitslos heißt nicht beschäftigungslos. Ich wollte etwas Neues lernen, HTML war im Trend. Übrigens waren solche Werke auf dem französischsprächigen Web nicht kostenlos verfügbar. Englische gab es schon ausreichend sowie Deutsche. Warum keine französische?

Vielleicht stellte es auch für mich eine Möglichkeit dar, auf der Weise eine (Arbeits-)Stelle zu finden. Ich habe immer mit dem Motto "erst beweisen, dann verlangen" gehandelt. Es war auch für mich eine Herausforderung, da ich so ein riesiges Werk zum ersten Mal übersetzte.

Patrick:

Stefan, SELFHTML ist in Frankreich und in den französisch sprechenden Ländern noch völlig unbekannt. Erklär diesen Menschen bitte, was SELFHTML genau ist.

Stefan:

SELFHTML ist eine Dokumentation zum Thema Webseiten-Erstellung, die selbst in HTML geschrieben ist und deshalb genau das Medium benutzt, das sie zugleich erklärt. Diese Selbstbezüglichkeit ist durchaus Absicht - denn ursprünglich hatte ich mit SELFHTML angefangen, weil ich selber HTML lernen wollte und mir zu diesem Zweck einfach selber eine Nachschlagehilfe schrieb.

Das Besondere an SELFHTML ist allerdings die Mischung aus Einführung und Nachschlagewerk. SELFHTML versucht anschaulich und anhand von vielen Beispielen zu erklären. Die meisten Menschen, besonders Anfänger, kommen damit viel besser zurecht als mit Originalspezifikationen oder mit manch trockenem Fachbuch. Es ist also anschaulich - aber es ist nicht oberflächlich wie manche Tutorials, die in ein Fachgebiet einführen, den Leser dann aber auf halbem Weg alleine lassen. Auch fortgeschrittene Seitenbastler greifen immer wieder auf SELFHTML zurück, um etwas nachzuschlagen.

Das Motto von SELFHTML lautet "die Energie des Verstehens". Nicht wenige Menschen haben diese Energie am eigenen Leib erfahren - sie haben sich durch SELFHTML ein Wissen angeeignet, durch das sich ihr berufliches Leben - und das private Leben manchmal auch - geändert hat. Aus Hotel-Rezeptionisten wurden Daten-Designer, und aus Lehrerinnen wurden Agenturmitarbeiterinnen für JavaScript und Dynamic HTML.


 

Patrick:

Und wie kamst Du dazu, ein solches Werk zu schreiben? Seit wann gibt es SELHFMTL in Deutschland eigentlich?

 


SELFHTML als Buch
SELFHTML als Buch

Serge François hat SELFHTML übersetzt
Serge François

Stefan:

Mein Glück war, dass ich ziemlich früh dran war mit SELFHTML. Der Grund war, dass ich mich für Hypertext allgemein interessierte und deshalb frühzeitig auf das Web und auf HTML stieß. SELFHTML wurde 1995 zum ersten Mal veröffentlicht - zu einer Zeit, als die Leute sagten "Mensch, den Mosaic-Browser kannst du vergessen, du mußt dir mal den Netscape 1.1 angucken - der kann sogar Webseiten mit farbigem Hintergrund interpretieren". Und nicht nur das - Netscape 1.1 konnte z.B. auch als erster Web-Browser Tabellen in HTML interpretieren.

SELFHTML beschrieb damals erstmals in deutscher Sprache, wie das mit HTML gemacht wird. Genauso war es, als Netscape 2.0 kam - mit Frames, Multimedia-Plugins und der Möglichkeit, Java-Applets einzubinden. Auch da war es SELFHTML, wo viele Sachen erstmals in deutscher Sprache nachzulesen waren. Alle, die damals schon mit HTML und mit beginnenden, noch in den Kinderschuhen steckenden Technologien wie JavaScript und CSS Stylesheets zu arbeiten begannen, hatten SELFHTML als unentbehrliches Grundlagenwerk und empfahlen es auch immer so an jeden Neuling weiter.

SELFHTML wuchs auch mit, und aus den knapp hundert Buchseiten der ersten Versionen wurden ca. 1000 Buchseiten bei der Version 7.0. Bei der Version 8.0 werden es sogar 1500 Buchseiten.

Patrick:

Warum gibt es das Werk im WWW kostenlos, sowas ist selten... Ist das nicht idealistische Utopie?

Stefan:

SELFHTML ist ja seit Jahren auch als Buch erhältlich, und obwohl die Leute den Text im Internet kostenlos bekommen, verkauft sich auch das Buch recht gut. Nicht wenige kaufen das Buch sogar, obwohl sie SELFHTML in elektronischer Form besitzen. Es ist also nicht so, dass ich gar nicht von SELFHTML profitiere. Ich profitiere nur nicht unmittelbar davon, sondern auf dem Umweg über den Erfolg, den es mir beschert hat.

Ich könnte mir allerdings auch gar nicht vorstellen, SELFHTML nur gegen Geld anzubieten. Neben dem Buch gibt es die Möglichkeit, freiwillig für SELFHTML zu bezahlen - einen Betrag nach eigener Wahl. Doch SELFHTML ist für mich kein "Produkt", es ist vielmehr ein Stück Aufklärungsarbeit. Die Doku will den Leuten zeigen, dass das Erstellen von Webseiten keine Hexerei ist, dass jeder so etwas kann, und dass jeder damit die Möglichkeit hat, selber wertvolle Inhalte im Web zu publizieren. Das ist wichtiger als Geld - wenn dann jedoch hintenrum Geld herausspringt, sage ich nicht nein.

Patrick:

Serge, wo lagen die Schwierigkeiten bei der Übersetzung, was hat Dir am meisten Kopfzerbrechen bereitet?

Serge:

Der Bereich war für mich neu. Von Anfang an wollte ich dem Text von Stefan so treu wie möglich bleiben. Dennoch sollte es ein französisches Werk sein und kein "frenglisches". Da der Bereich ziemlich neu ist, haben sich die englischen Wörter noch nicht eingeprägt und es war noch Zeit, französischsprachige Seite französische Alternativen anzubieten. Ob diese sich durchsetzen ist eine andere Frage.

Andererseits waren auch ein paar Wörter für mich sowohl im Deutschen als auch im Französischen unbekannt - und da konnte ich auf Hilfe anderer zurückgreifen, bei denen ich mich auch französischsprachige Seite bedanken möchte, da ich ihnen manchmal sicherlich eine Last gewesen bin.

Patrick:

Ist dieses Werk nicht schnell überholt, z.B. durch das Erscheinen neuer Sprachen oder wegen der schnellen Entwicklung im IT-Bereich?

Stefan:

Leider. SELFHTML 7.0, das Serge nun fertig übersetzt hat, ist bereits im Frühjahr 1998 in deutsch erschienen - ziemlich lange her angesichts der hektischen Entwicklungen im Internet. Demnächst kommt deshalb eine Autre page d'information Version 8.0, die mal wieder alles auf den aktuellen Stand der Dinge bringt, und die dann auch zügig ins Französische übersetzt werden wird. Dennoch kann man mit der Version 7.0 noch immer gut in das Thema einsteigen, und wirklich veraltet ist von dem, was da drin steht, nur wenig.

Patrick:

Was erhoffst Du Dir von einer Veröffentlichung von SELFHTML im französischsprachigen Web?

Stefan:

Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass sich der Erfolg, den die Doku im deutschen Sprachraum hat, so ohne weiteres auf einen anderen Sprachraum übertragen und noch einmal wiederholen lässt.

Andererseits bin ich ziemlich gespannt, wie das Werk in Frankreich, Belgien, der französischen Schweiz, aber auch in Nordafrika oder Kanada ankommen wird, wie das Feedback aussehen wird, und vor allem, ob auch im französichen Raum eine SELFHTML Community entstehen wird. Die technischen Voraussetzungen - Forum, Chat, aktueller Raum, sind über die Web-Adresse französischsprachige Seite http://actuel.fr.selfhtml.org/ gegeben.

Zwischen Wien und Hamburg trifft man sich jedenfalls eifrig, und einmal im Jahr gibt es ein großes SELFHTML-Treffen. Es wäre toll, wenn wir irgendwann einmal ein erstes Treffen im Elsaß machen könnten - gemeinsam mit SELFHTML-lern aus den französischsprachigen Ländern.

Patrick:

Stefan et Serge, je vous remercie de cet entrevue.


 
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